DAZ 75 Die Zukunft der Vergangenheit

DAZ 75 Die Zukunft der Vergangenheit

In Abenteuer Zukunft am 17.06.2011 von Stephan Magnus

Technologie erhellt die Vergangenheit und fördert Wissen für die Zukunft zutage.

Die Zukunft der Vergangenheit

Archäologie und Ahnenforschung sind nicht so die Dinge, auf die man kommt, wenn es sich um Zukunftsforschung dreht. Aber in Podcast DAZ 75 wollen wir einen ungewöhnlichen Ansatz verfolgen:

Mit Zukunftstechnologie kann immer mehr über die Vergangenheit herausgefunden werden und durch die Erforschung der Vergangenheit können wir potentiell eine andere Zukunft erzeugen. Denn es ist nicht so, dass die Vergangenheit einfach nur vergangen ist, und wenn man alles ausgegraben hat, dem an Wissen nicht viel hinzuzufügen ist. Die Vergangenheit erzeugt immer neue Informationsschichten und Erkenntnisse und zwar welche, die es damals noch gar nicht gab. Und darin liegt die Zukunft der Vergangenheit.

Das Thema begann für mich mit Web-Zwo-Nullige Ahnenforschung auf Ancestry.com. Bei Ancestry kann man in einem graphischen Interface seine Ahnenschaft eingeben, zusammen mit Lebensdaten, Bildern, soweit vorhanden Audiofiles und Videos, jede Menge Dokumente abfragen und auch darin suchen etc. Viele andere Menschen geben ebenfalls ihre Stammbäume ein und bekommen Vorschläge, mit welchem bisher für sie unbekannten Stammbaum sie verknüpft sein könnten. Was dann oft auch stimmt. Plötzlich berühren sich alle die Stammbäume in der Vergangenheit und je mehr Daten die Einzelnen eingeben, desto mehr entsteht ein riesiges Netz aus Verbindungen in der Vergangenheit. Jede Menge Informationen oder Erkenntnisse über den großen Zusammenhang, die Leute damals gar nicht gehabt haben können. Und das geht auch über genetische Verwandtschaften, weil es ein Allianz zwischen Ancestry und 23andMe gibt.

Und es geht weiter. Wir setzen Zukunftstechnologie dafür ein, um etwas herauszufinden, was Beteiligte nicht wussten: 

  • Ob jemand der Sohn eines anderen war. Mit Gentechnik. Selbst wenn er schon tausend Jahre tot ist.
  • Oder wir analysieren alte Filmaufnahmen und können rekonstruieren was die Leute im Raum bei historischen Ereignissen gesprochen haben. Obwohl es ein Stummfilm ist.
  • Ein Bauer vor 10.000 Jahren wusste vielleicht nicht, wieso etwas auf seinem Acker nicht funktionierte. Aber wir. Mit immer besseren Analysemethoden von Umweltdaten.

Neue Zukunftserkenntnisse bringt die Korrelation aller dieser Daten, gekoppelt mit künstlicher Intelligenz. Wie erfahren Dinge, die wir sonst für die Zukunft nicht wüssten:

  • Kombiniert man die Messung von Einschlüssen im Arktiseis mit der Geschichte der Völkerwanderung bekommt man Erkenntnisse, wie Wanderbewegung und geschichtliche Vorgänge mit der Wetterentwicklung zusammenhängt.
  • Korreliert man Informationen über den Genpool mit den Krankengeschichten der letzten Jahrhunderte, erfährt man etwas darüber, wie Gene und Gesundheit verbunden sind.
  • Liest man alle Expeditionsberichte und Behördendaten über das Entdeckungszeitalter getagged in eine Datenbank ein, kann eine KI der Zukunft daraus Gesetzmäßigkeiten über unsere zivilisatorische Entwicklung ableiten, die wir selbst gar nicht bemerkt haben und die vielleicht auch in der Zukunft gelten.

In der Arbeitspraxis von Zukunftsforschern beginnen so Zukunfts- und Szenarioprojekte. Um mit den verschiedenen Möglichkeiten der Zukunft spielen zu können, braucht man erst einmal ein Modell des Bestehenden. Dazu arbeiten man mit Leuten mit möglichst unterschiedlicher Sichtweise heraus, was eigentlich mit wem zusammenhängt, welche Faktoren es gibt, welcher Faktor welchen beeinflusst. Man klärt erste grobe kausale Zusammenhänge, bestimmt Sicherheiten und Unsicherheiten und dann die Trends und Treiber, also genau die Hebel, bei denen kleine Veränderungen sehr unterschiedliche Zukünfte hervorbringen. Dieses Modell hinter der Wirklichkeit ist die Basis zum Spielen, für Erkenntnis und für die abgeleiteten Handlungen.

In Zukunft entstehen solche Weltmodelle auch automatisch aus der Masse der Vergangenheitsdaten, beschleunigt und getrieben von Vernetzung und künstlicher Intelligenz. Und diese neuen Modelle helfen uns dann bei der Gestaltung unserer Zukunft. Wir nutzen die Erkenntnis der großen Zusammenhänge.

Diese Idee, über die Zukunft der Vergangenheit nachzudenken passt auch zu einem sehr gegenwartsorientierten Trend, gerade mobile Geräte dafür zu nutzen, für einen selbst interessante persönliche Daten auszulesen wie das tägliche Joggen, Fitnesspläne, Diäten oder Notizen, zukünftig bis hin zu einem vollautomatischen Tagebuch auf allen Sinneskanälen.

Und das geht auch bis zu einem gewissen Grade rückwärts. Wir können unsere Vergangenheit rekonstruieren und neu verknüpfen, indem wir z.B. Photoalben, Tagebücher, Filmaufnahmen usw. als Datensätze zusammenzubasteln. Aber spannend wird es, wenn man das mit anderen Daten, z.B. Gesundheitsdaten, Essensplänen, Fitnessaufzeichnungen etc. zusammenbaut. Weil auch hier: Man weiß ja nie, welche Sachen in Kombination zu neuen Ansätzen führen. Gerade die unerwarteten Erkenntnisse haben ja die größte Sprengkraft. Diese Daten in sozialen Netzwerken und mit KI verknüpft führen wieder zu Erkenntnissen über unser Leben, die wir selbst nicht erkennen konnten.

Also auf beiden Ebenen, der ganzer Gesellschaften und der persönlichen wird die Zusammenführung einer Vielzahl von immer genauer bestimmbarer Vergangenheitsdaten die Basis für Zukunftsmodelle.

Im Podcast bespreche ich noch ungewöhnliche Projekte, Menschen aus den Vergangenheitsdaten wieder zu erschaffen. Klingt heute schräg, aber schließlich sind wir ziemlich nahe dran, dass komplette Erleben eines Menschen permanent zu speichern.

Je besser die Technik, desto vollständiger der Blick in die Geschichte. Wir erschaffen sie neu und ermöglichen uns damit mehr Zukunftsmöglichkeiten. Ich stelle mir das wie zwei gigantische Trichter vor, die sich in Vergangenheit und Zukunft öffnen. Immer mehr Licht was immer mehr erleuchtet.

Wenn Sie jetzt immer noch meinen, dass die Vergangenheit und Zukunft nicht zueinander passen, lesen Sie doch meinen Roman „Die einzig Wahre“, ein Science Fiction Roman über antike Königinnen, das römische Reich, Gentechnik, Klonen, Kino, moderne Medientechnik und einiges mehr. In der praktischen Kindle-Variante zum Verschlingen auf dem Kindle oder dem Kindle-iPhone-App. Einfach mal bei Amazon Stephan Magnus suchen und dann das Buch „Die einzig Wahre“. Alternativ im Shop bei „Das Abenteuer Leben“.

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