Glücklich leben oder sinnvoll?

Glücklich leben oder sinnvoll?

In Abenteuer Persönlichkeit am 31.03.2016 von Roland Kopp-Wichmann

Jedes Jahr wird von der Columbia-Universität, New York, die Rangliste der glücklichsten Nationen veröffentlicht. Deutschland holt auf. Von 160 Ländern haben wir es schon auf Rang 16 geschafft. Zehn Plätze besser als im Vorjahr. In Dänemark sollen ja die glücklichsten Menschen leben. Und schon Otto Waalkes wusste: „Dänen lügen nicht.“ Wenn man von Menschen in einer Umfrage wissen will, was glücklich macht, dann kommt da eine weichgespülte, politisch korrekte Liste raus mit Sachen wie Gesundheit, Partnerschaft, Familie, Menschen, eine Aufgabe, Kinder, Beruf … gähn. Angesichts schrecklicher Terrormeldungen im Wochenrhythmus und genauso häufiger Warnungen von Donald Seehofer, dem kommenden AfD-Vorsitzenden, wollte ich zum Thema „Glück“ und wodurch es gefährdet wird, etwas schreiben.

Ist Glücklichsein ein Lebensziel? Oder gibt es noch etwas anderes?

persoenlichkeits-blog.de, viktor frankl,

Im September 1942 wurde  Viktor Frankl, ein bekannter jüdischer Psychiater und Neurologe in Wien, mit seiner Frau und seinen Eltern verhaftet und in ein Konzentrationslager der Nazis transportiert. Drei Jahre später, als sein Lager befreit wurde, die meisten seiner Familie, darunter seine schwangere Frau waren ermordet – aber er, Häftling Nummer 119104, hatte überlebt.

Nach seiner Entlassung verfasste er in neun Tagen ein Buch, das ein Welterfolg werden sollte. Er beschrieb, was der Unterschied war zwischen denen, die überlebt hatten, und denjenigen, die im Lager umgekommen waren. Den Unterschied hatte er mit eigenen Augen gesehen. Jene, die selbst in den schrecklichsten Umständen eine Bedeutung für sich, einen Sinn sehen konnten, waren weit weniger anfällig für Leiden als diejenigen, die das grausame Treiben der Nazis als Opfer sinnloser Umstände interpretierten.

„Alles kann einem Menschen genommen werden,
außer einer Sache“
, schrieb er, „nämlich die Haltung
in einer bestimmten Situation den eigenen Weg zu wählen.“

Frankl arbeitete als Therapeut im Lager und sprach dort mit zwei Männern, die beide hoffnungslos waren und an Selbstmord dachten, weil sie nichts mehr vom Leben erwarteten. Er schreibt:  „Es ging darum, ihnen begreiflich zu machen, dass es da noch etwas gab, das auf sie wartete, was das Leben von ihnen erwartete.“ Für den einen Mann war es sein kleines Kind, das damals in einem fremden Land lebte. Für den anderen, einen Wissenschaftler, war es eine Reihe von Büchern, die er noch fertigstellen sollte.

Diese Einzigartigkeit in der Bedeutung, die jedes Individuum unterscheidet und jedem Leben einen unverwechselbaren Sinn seiner Existenz verleiht, hat einen enormen Einfluss. Wenn dem Einzelnen bewusst wird, dass seine Person unersetzlich ist, kann für einen Menschen die Verantwortung, die er für seine Existenz hat, spürbar werden. So ein Mensch, glaubte Frankl, wird niemals in der Lage sein, sich umzubringen.

Heute scheint der Gedanke einer Verantwortung, die über das individuelle Selbst hinausreicht im Widerspruch zu unserer Kultur zu stehen. Das Verfolgen und Erreichen des individuellen Glücks ist vielen näher als die ominöse Suche nach dem Sinn. Doch Frankl schrieb dazu schon recht früh: „Glück kann nicht verfolgt werden, sondern muss erfolgen. Man muss einen Grund haben, um glücklich zu sein.“

Hören Sie mehr dazu in diesem Podcast.

Diesen Beitrag können Sie auch nachlesen auf meinem Persönlichkeits-Blog.

<small>Photo credit: Pascal-P via Foter.com
Das Bild zeigt das Eingangstor zum KZ Buchenwald
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Viktor Frankl im Interview

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