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AK066 E-Prime - eine MERKwürdige Methode für mehr sprachliche Präzision
Kanal: Abenteuer NLP & Kommunikation 27.05.2010 - 19:24 von Hans-Jürgen Walter
E-Prime - eine Methode zu mehr sprachlicher Präzision
Alfred Korzybski, ein recht genialer Mathematiker, Ingenieur und Sprachwissenschaftler meinte schon 1941, dass das Verb „sein“ (engl. „to be“) eine recht gefährliche linguistische Konstruktion darstellt.
Warum?
- Das Verb „sein“ verführt dazu, zu glauben, es gäbe so etwas wie Beständigkeit auf der Welt.
Wenn ich sage: Du bist unzuverlässig - dann bist du einfach so. Veränderung nicht vorgesehen. Das Verb sein erzeugt eine mentale Repräsentation von Dauer und damit zementieren wir mit Sprache unsere Welt.
Ganz gleich ob wir Heraklit bemühen, der sagte: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen“ oder den Tanz der Elektronen auf subatomarer Ebene:
Nichts „ist“ statisch, dauerhaft oder unveränderlich und da nichts ewig bleibt, sondern sich fortwährend ändert „ist“ nichts.
Das was uns bleibt ist maximal die Illusion der Beständigkeit, die wir beständig aufrecht erhalten, wenn wir das Verb „sein“ verwenden - aber auch diese Illusion darf „nicht“ sein.
- Das Verb „sein“ versteckt auch gekonnt Bewertungen.
Wenn ich sage: „Du bist unzuverlässig.“ oder „Das Leben ist hart!“ dann tue ich so, als ob Unzuverlässigkeit oder Härte da draussen existieren und zwar unabhängig von meine Erleben.
Mit anderen Worten: Mit diesen Formulieren betreibe ich Etikettenschwindel und etikettiere subjektive Bewertungen als objektive Fakten. Ich projiziere also „meinen Kram“ auf Dinge oder Menschen, ohne es zu merken.
Vielleicht reagieren unsere Mitmenschen deshalb auf Sätze wie „Sie sind.. Du bist“ deshalb so aversiv, weil sie intuitiv spüren: da will einer mir sein Werturteil als Wahrheit unterjubeln.
Diese Erkenntnis brachte den jungen Sprachwissenschaftler David Bourland 1950 dazu, eine Methode namens „E-Prime“ zu beschreiben, mit der er vorschlug, im englischen Wortschatz sämtliche Formen des Verbs „to be“ schlichtweg zu vermeiden. Zudem schliesst „E-Prime“ auch die Verwendung von Passivsätzen aus, wodurch der Sprecher klar dazu angehalten ist, klar zu benennen, wer was sagt, tut oder entscheidet.
Einige Wissenschaftler bezeichneten „E-Prime“ als Variante der englischen Sprache, andere sahen es als einen Art Geistesdisziplin an, um selbst klarer zu denken, zu sprechen und zu schreiben.
Nachdem ich nun selbst einige Zeit lang mit E-Prime experimentiert habe, komme ich zu dem Schluss, dass E-Prime
- mich anhält, klarer und genauer zu denken und
- mich daran erinnert, dass ich unentwegt mittels meiner Sprache „Landkarten über die Welt erstelle, die nur eine vage Annäherung an die Wirklichkeit sein können.
- ich selbst E-Prime jedoch nicht dogmatisch anwenden werde, denn auch e-Prime „ist" nicht;-)
Ein paar Tipps zum Umsetzen:
- Gehe sparsam mit dem Verb „sein“ um und finde passendere Verben.
anstatt von: „Der Film gestern abend war toll“ Besser: Mir hat der Film gestern abend gut gefallen
- Verwende auch Passivformen sparsam!
anstatt von: „Es wurde beschlossen.
Besser: "Wir haben beschlossen, ich habe beschlossen"
- Verstecke Deine Ausssagen nicht hinter dem Deckmäntelchen einer objektiven Tatsache, sondern oute Dich als Urheber des betreffenden Werturteils.
anstatt von: "Das ist ein schlechtes Ergebnis." Besser: Ich habe ein besseres Ergebnis erwartet.
Quellen:
- http://de.wikipedia.org/wiki/E-Prime
- Ein E-Prime-Tutorial: http://www.angelfire.com/nd/danscorpio/ep2.html/ (engl.)
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