„Im Aufschieben bin ich Weltmeister!“, grinste der Rechtsanwalt im Coaching.

Aufschieben, neudeutsch  „Prokrastination“ ist ein sehr verbreitetes Problem. Dutzende von Ratgeberbüchern und Blogartikeln zeigen die Not. Doch was steckt eigentlich hinter der Aufschieberitis? Wie so oft ist auch hier das Problem die Lösung. Aber Lösung wofür?

Welchen Sinn hat chronisches Aufschieben?

Der Klient kam eine Viertelstunde zu spät. Etwas hilflos lächelnd entschuldigte er sich: „Der Verkehr, Sie wissen schon.“

Die Erklärung wunderte mich, denn es war 14 Uhr.

Die ersten Minuten im Coaching warte ich ab. Denn der Raum jetzt gehört ganz dem Klienten und wie er diesen Raum füllt, ist meist schon sehr aufschlussreich.

„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, begann der Mann. „Es ist kompliziert. Manchmal denke ich, ich habe gar kein Problem, ich habe es doch weit gebracht. Dann denke ich wieder, aber ich hätte viel mehr aus mir machen müssen, bei meinem Talent. Aber meine Freundin meinte, ich solle mir jetzt endlich mal Hilfe holen, sie könne das nicht mehr mitansehen.“

Ich denke derweil, dass mein Klient mit ambivalenten Gefühlen hergekommen ist. Und dass er bisher nicht gesagt hat, worum es eigentlich geht.

Der Klient betrachtet interessiert ein Aquarell, das an der Wand hängt. „Das ist der Markusdom in Venedig, stimmt’s? Da war ich mal oder besser gesagt, da wollte ich mal hin. Hat aber irgendwie nicht geklappt.“

Ich werde langsam ungeduldig und frage deshalb: „Gibt es denn ein Problem, das Sie hierher führt?“

„Ein Problem?“, wiederholt er.

„Ich weiß nicht, ob ich es ein Problem nennen soll oder ob es mehr ein Verhalten ist, eine Eigenschaft, die ich habe und die mich schon viele Jahre begleitet.“

„Hmm“, antworte ich ebenfalls vage, weil ich den Eindruck habe, dass der Klient sich unter Druck fühlt, klar zu sagen, was er will – und genau das verweigert.

Eine erste Idee, dass Aufschieben das Problem sein, kommt mir.

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Bild: Ed Yourdon on Visual Hunt

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